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Wie viele Initiativen haben sich bereits beworben? Wer wurde nominiert? Diese und andere Fragen beantworten wir Ihnen hier.

Deutscher Lesepreis 2017: Zehn herausragende Projekte gewürdigt

Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung vergeben zum fünften Mal die mit insgesamt 19.500 € dotierte Auszeichnung für innovatives, individuelles, kommunales und schulisches Engagement in der Leseförderung


Berlin, 10. November 2017. Die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung haben gestern Abend im Berliner Humboldt Carré zehn Projekte mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet, die sich nachhaltig für die Leseförderung einsetzen. Der Preis wird unterstützt von FRÖBEL e.V., der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, der Arnulf Betzold GmbH sowie der Commerzbank-Stiftung und steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien. Er wurde in vier Kategorien vergeben: Ideen für morgen, Herausragendes individuelles Engagement, Herausragendes kommunales Engagement und Herausragende Leseförderung an Schulen.

Die Preisträger sind:

Ideen für morgen | Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung

  • Maria Rauschenberger: Spielerische Erkennung der Lese-/Rechtschreibstörung (Oldenburg/ Barcelona)
    Mithilfe von musikalischen und visuellen Elementen in einer App werden Lese-/Rechtschreibstörungen vor dem Schuleintritt erkannt, um Leidensdruck und Frustration zu vermeiden. Für weitere Informationen bitte hier klicken

Herausragendes individuelles Engagement | Gestiftet von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur

  • 1. Platz | Christine Dietzinger: Lese- und Theaterclub Turmgeflüster (Adelshofen)
    Wöchentlicher Treffpunkt für Kinder ab 12 Jahren, um Literatur u.a. in Theaterworkshops und auf Bildungsfahrten interkulturell kennenzulernen. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 2. Platz | Ulf-Andre Thur: Bibliothek der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg (Berlin)
    Engagiert geführte und täglich zugängliche Bibliothek für straffällig gewordene Jugendliche mit vielfältigem Veranstaltungsprogramm und pädagogischem Anspruch. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 3. Platz | Prof. Dr. Ina Brendel-Perpina: Leseclubs in Theorie und Praxis (Bamberg)
    Begleitung von Leseclubs in Form von Ausbildung studentischer Betreuer/innen, Gründung neuer Leseclubs sowie wissenschaftlicher Evaluation von deren Wirksamkeit. Für weitere Informationen bitte hier klicken

Herausragendes kommunales Engagement | Gestiftet von FRÖBEL e.V.

  • 1. Platz | Medien- und Informationszentrum Stadtbücherei Biberach: Leseförderung im Netzwerk Lesen
    Flächendeckende Förderung der Lese- und Medienkompetenz durch Vernetzung der Stadtbücherei mit allen kommunalen Bildungseinrichtungen. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 2. Platz | Fanprojekt Dresden e. V.: Leseclub im Stadion
    Leseclub in den Räumlichkeiten des Stadions, um über das Thema Fußball auch leseferne Kinder für Bücher und Medien zu begeistern. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 3. Platz | Stadt- und Landesbibliothek Potsdam/Bibliotheksförderverein: Wie kommt das „W“ in den Baum? Eine Buchstabenreise durch Potsdam
    Mehrwöchige Projektarbeit für deutsche und geflüchtete Kinder, Buchstaben in der Stadt zu finden und künstlerisch für eine Ausstellung aufzubereiten. Für weitere Informationen bitte hier klicken

Herausragende Leseförderung an Schulen | Gestiftet von der Arnulf Betzold GmbH

  • 1. Platz | Weibelfeldschule (Dreieich)
    Gesamtschule mit moderner und umfangreich ausgestatteter Bibliothek, die allen Schülern altersgerechte und kreative Leseförderangeboten macht. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 2. Platz | Grundschule Kirchdorf (Hamburg)
    Brennpunktschule, die mit einer festen, täglichen Lesezeit, Vorlesegesprächen, einer Bibliothek, Leseprojektwochen und Ausflügen die Lesemotivation stärkt. Für weitere Informationen bitte hier klicken
  • 3. Platz | Förderzentrum „Clemens Winkler“ (Brand-Erbisdorf)
    Förderschule, die die Leseförderung mit vielen kreativen Projekten umsetzt: vom Lesepicknick über redaktionelle Betätigung bis hin zum Buchmessebesuch. Für weitere Informationen bitte hier klicken

Schirmherrin Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, zeigte sich begeistert von der Vielfalt des bundesweiten Engagements: „Gute Konzepte der Leseförderung sind der Schlüssel zu Bildung und demokratischer Teilhabe. Lesen befähigt uns, Selbsterlebtes zu reflektieren, Horizonte zu erweitern und fremde Gedankenwelten zu verstehen. In unserer Gegenwart des schnellen Informationsflusses ist Lesekompetenz mehr denn je gefordert. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern und danke ihnen für ihren großartigen Einsatz.“

Auf der Festveranstaltung mit rund 200 geladenen Gästen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Kultur im Berliner Humboldt Carré betonte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen Dr. Jörg F. Maas: „Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr zeigen können, wie aktiv, ideenreich und lebendig die Leseförderung hierzulande ist. Ohne die Arbeit der Preisträgerinnen und Preisträger wäre es nicht möglich, nachwachsenden Generationen Lesefreude und Bildungschancen zu vermitteln. Nur durch Kooperationen auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene können wir auch in Zukunft die Bedeutung des Lesens für die Gesellschaft sichtbar machen und engagierte Initiativen fördern.“

Astrid Kießling-Taşkın, Vorstand des Initiativpartners Commerzbank-Stiftung, ergänzte: „Leseförderung muss zeitgemäß sein und mit den Lebensumständen der Menschen Schritt halten. Mit dem Sonderpreis ‚Ideen für morgen‘ verschaffen wir aussichtsreichen Projekten Raum zum Wachsen. So können wir dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche auch in Zukunft erfahren, wie sehr Lesen ihr Leben bereichern kann.“

Hintergründe zum Deutschen Lesepreis
Die Fähigkeit zu lesen ist für den Zusammenhalt und Erfolg einer Gesellschaft entscheidend: Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zum Buch oder E-Book greifen, verstehen komplexe Sachverhalte meist besser als Altersgenossen mit weniger Leseerfahrung. Zudem begegnen sie anderen Menschen häufig mit mehr Empathie und können ihre Anliegen deutlicher formulieren. Allerdings weisen PISA-Studien und OECD-Berichte für die Lesekompetenz deutscher Kinder seit Jahren große Defizite auf: 16,2 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz. Darüber hinaus sind hierzulande rund 7,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten. Der Deutsche Lesepreis möchte daher das breite gesellschaftliche und individuelle Engagement derer würdigen, ohne die eine flächendeckende und nachhaltige Vermittlung von Lesefreude und -kompetenz nicht möglich wäre.

Shortlist Deutscher Lesepreis 2017

36 Projekte für ihr Engagement in der Leseförderung nominiert / Große Beteiligung mit 281 Bewerbungen / Preisverleihung am 9. November in Berlin


Frankfurt / Mainz, 15. September 2017. 36 Projekte in vier Kategorien umfasst die Shortlist für den Deutschen Lesepreis 2017. Ausgewählt wurden sie aus 281 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Die finalen, von einer elfköpfigen Expertenjury gewählten, zehn Preisträger werden am 9. November im Berliner Humboldt Carré offiziell gekürt. Der mit insgesamt 19.500 Euro dotierte Deutsche Lesepreis ist ein gemeinsame Initiative von Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung und wird seit 2013 für vorbildhaftes Engagement in der Leseförderung verliehen. Unterstützt werden die beiden Initiatoren von FRÖBEL e.V., der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur und der Arnulf Betzold GmbH. Die Auszeichnung steht unter der Schirmherrschaft von Staatsministerin für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters.

Dr. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen: „Bildung fängt mit Lesen an. Ohne die Fähigkeit, Texte zu verstehen, fällt es schwer, Herausforderungen in Schule, Beruf und Alltag zu meistern. Um Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern, braucht es Menschen, die sich mit ungewöhnlichen Ideen, großer Ausdauer und viel Enthusiasmus engagieren. Die nominierten Projekte für den Deutschen Lesepreis zeigen, wie lebendig und erfindungsreich die Leseförderung hierzulande ist.

Astrid Kießling-Taşkın, Vorstand der Commerzbank-Stiftung, betont: „Lesen ermöglicht Teilhabe. Neues weckt Interesse. Das sind die beiden grundlegenden Anforderungen, die eine aussichtsreiche Bewerbung für den Sonderpreis „Ideen für morgen“ ausmachen. Unser Ziel ist es, die Leseförderung auch in Zukunft fit zu halten.“

Die Nominierten der vier Kategorien sind:

Ideen für morgen | Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung

  • Die Sprechwerker und das BildungsLokal Neuperlach | Kinder als lebende Bücher erobern ihr Quartier (München)
  • Evangelische Kindertageseinrichtung Lydia | Digitale Medien in der Kita (Bielefeld)
  • Initiative Recht auf Spiel | Vorlesetag 2016 (Grevenbroich)
  • KöB St. Barbara | Vorlesestunden mit interaktiven Geschichten (Essen)
  • Dr. Johann Malcher | VORLESEkino eG – Bilderbücher gemeinsam erleben (Bad Salzuflen)
  • Maria Rauschenberger | Spielerische Erkennung der Lese-/Rechtschreibstörung (Oldenburg)

Herausragendes individuelles Engagement | Gestiftet von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung - Kultur

  • Johannes Beetz/Münchner Wochenanzeiger | Schwerpunktausgabe „Lesen“ (München)
  • Karin Berens/Buchhandlung Berens | Leseclub des Erich-Klausener-Gymnasiums (Adenau)
  • Dr. Ina Brendel-Perpina | Leseclubs in Theorie und Praxis (Bamberg)
  • Christine Dietzinger/Turmgeflüster e. V. | Lese- und Theaterclub (Adelshofen)
  • Lucia Häcker | Bücherleiter (Oberriexingen)
  • Harald Kiesel | Die große KinderBuchShow (Schriesheim)
  • Isabel Peter/Thalia Grundschule | „Wo steckt Kolumpus?“ Hörspiel einer 2. Klasse (Berlin)
  • Michaela Reidel/Gemeindebibliothek | BücherLiebenLernen – Literacy Projekt (Neufahrn)
  • Richard Schaefer/Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt | Leseopa (Erfurt)
  • Ulf-Andre Thur | Bibliothek der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg

Herausragendes kommunales Engagement | Gestiftet von FRÖBEL e.V.

  • Bürgerstiftung Wolfsburg | Lesenetzwerk Wolfsburg
  • Deutscher Kinderschutzbund Minden-Bad Oeynhausen | Lesen und Lernen im Mühlenkreis
  • Fanprojekt Dresden e.V. | Leseclub im Stadion
  • Grundbildungszentrum der VHS Frankfurt/Oder | Family Literacy
  • Leseohren e.V. | Leseohren aufgeklappt – eine Geschichte nur für dich (Stuttgart)
  • Medien- u. Informationszentrum Stadtbücherei Biberach | Leseförderung im Netzwerk Lesen
  • Stadt- und Landesbibliothek Potsdam/Förderverein | Buchstabenreise durch Potsdam
  • Stadtbibliothek Magdeburg | VielSeitig – mehrsprachig Vorlesen in Magdeburger KiTas
  • Stadtbücherei Bochum | Leseförderung über das gesamte Stadtgebiet
  • Stadtjugendring Ulm e.V. | Ulmer Unke

Herausragende Leseförderung an Schulen | Gestiftet von der Arnulf Betzold GmbH

  • Gebrüder-Grimm-Schule Recklinghausen
  • Grundschule Kirchdorf (Hamburg)
  • Kinderschule Oberhavel (Oranienburg)
  • Luitpold-Grundschule Bayreuth
  • Förderzentrum „C. Winkler“ (Brand-Erbisdorf)
  • Gemeinschaftsschule „Kaleidoskop“ Jena
  • Adam-Kraft-Realschule (Nürnberg)
  • Weibelfeldschule (Dreieich)
  • Auguste-Viktoria-Gymnasium Trier – UNESCO Projektschule
  • Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg

Hintergründe zum Deutschen Lesepreis
Die Fähigkeit zu lesen ist für den Zusammenhalt und Erfolg einer Gesellschaft entscheidend: Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zum Buch oder E-Book greifen, verstehen komplexe Sachverhalte meist besser als Altersgenossen mit weniger Leseerfahrung. Zudem begegnen sie anderen Menschen häufig mit mehr Empathie und können ihre Anliegen deutlicher formulieren. Allerdings weisen PISA-Studien und OECD-Berichte für die Lesekompetenz deutscher Kinder seit Jahren große Defizite auf: 16,2 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz. Darüber hinaus sind hierzulande rund 7,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten. Der Deutsche Lesepreis wird daher an Menschen verliehen, die sich nachhaltig für die Leseförderung einsetzen. Die Initiatoren wollen damit das breite gesellschaftliche und individuelle Engagement derer würdigen, ohne die eine flächendeckende Vermittlung von Lesefreude und -kompetenz nicht möglich wäre.

Leseheldinnen und -helden gesucht!
Bewerbungen für den Deutschen Lesepreis 2017 sind ab sofort möglich

Auszeichnungen für Leseförderprojekte in vier Kategorien / Preisgeld in Höhe von 19.500 Euro


Frankfurt / Mainz, 8. Mai 2017. Ab sofort startet die Bewerbungsphase für den Deutschen Lesepreis 2017. Alle Personen und Einrichtungen, die sich für die Leseförderung stark machen, sind eingeladen, ihre Projekte unter www.deutscher-lesepreis.de einzureichen. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2017. Der Deutsche Lesepreis ist mit insgesamt 19.500 Euro dotiert. Die Initiatoren Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung vergeben die Auszeichnung mit Unterstützung des FRÖBEL e. V., der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur und der Arnulf Betzold GmbH in vier Kategorien:

„Ideen für morgen”
Der Sonderpreis der Commerzbank-Stiftung steht für kreative und innovative Formate. Gesucht werden Leseförderprojekte, die das menschliche Miteinander bereichern und zur gesellschaftlichen Teilhabe beitragen – zum Beispiel in den Bereichen Migration und Integration, Digitalisierung oder im Zusammenhang mit dem oft zitierten demografischen Wandel. Digitalisierung in der Leseförderung kann dabei ein Projektelement, aber auch Leitthema sein. Bewerben können sich Einzelpersonen und Institutionen, die eigene Ideen entwickelt, diese jedoch noch nicht umgesetzt haben. Preisgeld: 6.000 Euro.

„Herausragendes individuelles Engagement in der Leseförderung“
Gestiftet von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, werden in dieser Kategorie Personen ausgezeichnet, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Leseförderung verdient machen: sei es als ehrenamtlich Engagierte oder als Ideengeber und -umsetzer, um die Lesefreude und -kompetenz bei Kinder und Jugendlichen unterschiedlicher Altersstufen zu unterstützen. Preisgeld: 4.500 Euro (Staffelung: 1. Preis 2.000 Euro, 2. Preis 1.500 Euro, 3. Preis 1.000 Euro).

„Herausragendes kommunales Engagement“
Gestiftet vom FRÖBEL e. V., zeichnet diese Preiskategorie Organisationen wie Kitas, Bibliotheken, Vereine, Unternehmen, Universitäten und kommunale Träger aus, die sich für die lokale Leseförderung verdient machen. Besonders berücksichtigt werden Projekte, die in Kooperation zwischen unterschiedlichen Institutionen erdacht und realisiert wurden. Preisgeld: 4.500 Euro (Staffelung: 1. Preis 2.000 Euro, 2. Preis 1.500 Euro, 3. Preis 1.000 Euro).

„Herausragende Leseförderung an Schulen“
Gestiftet von der Arnulf Betzold GmbH, wird in dieser Kategorie schulisches Engagement zur Förderung von Lesefreude und -kompetenz prämiert. Fächerübergreifende Projekte im und außerhalb des Unterrichts, die Einrichtung eigener Leseräume sowie die Kooperation mit Eltern und außerschulischen Akteuren stehen dabei im Mittelpunkt. Preisgeld: 4.500 Euro (Staffelung: 1. Preis 2.000 Euro, 2. Preis 1.500 Euro, 3. Preis 1.000 Euro).

Hintergründe zum Deutschen Lesepreis
Lesekompetenz ist die entscheidende Grundlage für den Bildungserfolg und den weiteren Lebensweg von Kindern und Jugendlichen. Allerdings zeigen PISA-Studien und OECD-Berichte für die

Lesekompetenz deutscher Kinder seit Jahren große Defizite auf: 16,2 % der 15-Jährigen Schülerinnen und Schüler verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz (PISA 2015). Darüber hinaus sind rund 7,5 Millionen Erwachsene hierzulande laut LEO-Studie 2011 funktionale Analphabeten. Für eine funktionierende Gesellschaft bedarf es jedoch der Lesekompetenz all ihrer Mitglieder. Daher ist Leseförderung unabdingbar: überregional ebenso wie vor Ort. Flächendeckend lässt sich dies jedoch nur mit einem breiten gesellschaftlichen und individuellen Engagement umsetzen.

Um entsprechenden Einsatz zu stärken und zu würdigen, verleihen die Initiatoren seit 2013 jährlich den Deutschen Lesepreis in vier unterschiedlichen Kategorien: Für Menschen, die sich nachhaltig um die Leseförderung über alle Zielgruppen hinweg bemühen.

Die festliche Preisverleihung des Deutschen Lesepreis 2017 findet am 9. November im Berliner Humboldt Carré statt. Einen Rückblick auf die letztjährigen Gewinner finden Sie hier:
http://www.deutscher-lesepreis.de/der-deutsche-lesepreis/aktuelle-preistraeger/

Foto: Claudia Berghorn
© Claudia Berghorn

Claudia Berghorn

Preisträgerin der Kategorie „Ideen für morgen“ im Jahr 2014 macht Leseförderung mit WortSchatzCaching als Schatzssuche erlebbar

Je besser Projekte zur Leseförderung auf die Interessen und Lebenswelt ihrer Adressaten abgestimmt sind, desto größer sind ihre Aussichten auf Erfolg. Wie also kann Leseförderung für Jugendliche aussehen, die höchst technik-affin sind, aber wenig Motivation zeigen, sich mit Literatur zu beschäftigen?

Eine mögliche Antwort darauf bietet nun eine neue Methode, genannt WortSchatzCaching. Die Idee: Unter Einsatz moderner GPS-Technologie wird die Beschäftigung mit Sprache, Literatur und Kommunikation als innovative Schatzsuche gestaltet.

WortSchatzCaching basiert auf dem immer beliebter werdenden Geocaching – einer „Schatzsuche“, die GPS-Koordinaten verwendet (siehe www.geocaching.com). Der Spaßfaktor erschließt sich dabei aus dem uralten Spiel des Suchens und Findens in Kombination mit dem Reiz innovativer Technologie.

Diesen Ansatz macht das WortSchatzCaching für die Leseförderung nutzbar, indem es dem Geocaching eine inhaltliche Ebene hinzufügt: Die Schätze, die es zu finden gilt, sind Schätze aus unserer Sprache und Literatur! So kann z.B. im Rahmen der außerschulischen Bildungsarbeit die Tradition des literarischen Stadtrundgangs mit WortSchatzCaching neu belebt und als GPS-gestützte Schnitzeljagd gestaltet werden: Die Teilnehmenden erkunden die literarische Topografie ihrer Umgebung, indem sie sich über Orte informieren, die einen Bezug zur Textproduktion und -rezeption haben – z.B. Bibliotheken und Buchhandlungen, Redaktionen und Wohnorte von AutorInnen. Dann ermitteln sie die geografischen Koordinaten dieser Literatur-Orte und gestalten zielgruppengerechte „Schatzsuchen“. Als sehr lohnenswert können sich dabei Kooperationen mit dem Stadtmarketing und mit den ortsansässigen Unternehmen aus der „schreibenden Zunft“ erweisen, die bei dieser Schnitzeljagd angesteuert werden.

Durch die Verwendung von GPS-Daten erhält die Leseförderung mit GPS-Daten eine dezidiert geografische Komponente. Daher eignet sich diese Methode auch als praktischer Einstieg in die Lektüre von Sachtexten und Literatur rund um Themen wie die Entdeckung und Kartografierung der Welt, um Heimat und „Selbst-Verortung“ sowie geografische Aspekte der Literaturproduktion und Rezeption – bis hin zu der Frage, wo und warum im Dritten Reich Bücher verbrannt wurden oder auch heute noch Literaturschaffende verfolgt werden. Auch Grenzen und Grenzerfahrungen sind in der Literatur vielfach bearbeitet worden, z.B. als „Heldenreisen“ – Geschichten, die im Rahmen von WortSchatzCaching-Projekten neu entdeckt werden können. Darüber hinaus eröffnet die Methode vielfältige Möglichkeiten der Reflexion und kreativen Exploration von Sprache und Kommunikation im Allgemeinen. Zum Abschluss der Projekte kann die GPS-Technologie wieder genutzt werden, um die Arbeitsergebnisse der Teilnehmenden zu dokumentieren und zu „teilen“, d.h. nach Vorbild des Geocaching auch für andere zugänglich zu machen.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch praktisch können WortSchatzCaching-Projekte sehr flexibel und individuell auf die Interessen der Zielgruppe und auf vorhandene Ressourcen abgestimmt werden. Die Kosten sind gering, da GPS-Geräte inzwischen bei vielen Outdoor-Ausstattern auszuleihen sind oder alternativ kostenlose Smartphone-Apps genutzt werden können. Um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten („Kopf-unten-Effekt!“) empfiehlt sich ein Mindestalter von zwölf Jahren und eine räumliche Begrenzung auf Fußgängerzonen.

Bei ersten Projekten in Münster und Berlin hat sich die Idee des WortSchatzCachings bereits bewährt. Die Internetseite www.wortschatzcaching.de bietet Informationen rund um das Konzept, die bald auch als Download zur Verfügung stehen werden. Hier sollen zukünftig auch weitere Best-Practice-Beispiele dokumentiert werden.“

Die Idee für morgen 2014 wird Wirklichkeit:

Wortschätzen auf der Spur


Foto: WortSchatz-Suche in Münster: Die Sechstklässlerinnen der Marienschule (Foto: Berghorn)
WortSchatz-Suche in Münster: Die Sechstklässlerinnen der Marienschule (Foto: Berghorn)

Für ihr Konzept „WortSchatzCaching“ erhielt Claudia Berghorn im Jahr 2014 den Deutschen Lesepreis der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung in der Kategorie „Ideen für morgen“

Die Idee: Leseförderung unter Einsatz von GPS-Geräten. Vom 15. bis 17. Juni hat in Münster das erste Schulprojekt stattgefunden, bei dem das Konzept des WortSchatzCaching umgesetzt wurde: Alle 131 Schülerinnen der Jahrgangsstufe 6 der Marienschule Münster haben sich in Teams in der Innenstadt mit GPS-Geräten auf die Suche nach „WortSchätzen“ gemacht, um auf ihrer digitalen Schatzsuche verschiedenste Orte in Münster zu entdecken, die mit Lesen und Literatur, Kommunikation und Sprache zu tun haben. Dazu gehören Büchereien genauso wie die Inschriften im Straßenpflaster, an Gebäuden und Statuen, die auch Einblicke in die Geschichte der Stadt geben.

Einen Link zur lokalen Berichterstattung finden Sie hier:
http://www.wn.de/Muenster/2007794-Aktion-Gutes-Morgen-Muenster-Wortschaetzen-auf-der-Spur